Allgemeine Checkliste für den Kauf eines ADLER Motorrades im Internet

[Informationen nur für Interessenten die auf Originalität und Werterhaltung wert legen.]

Generell werden die seltenen MB 250 Modelle höher gehandelt  als die M 250 Modelle. M/MB 200 werden relativ häufig angeboten und liegen durch Angebot und Nachfrage im mittleren bzw. unteren Preissegment. In letzter Zeit tauchen die 200-er Modelle häufig in "geschlachteter" Form auf.
Ein Angebot sollte immer die Fahrgestell - und Motornummer ausweisen. Werksmäßig waren sie bei der M 150 - 250 und MB 150 -250 identisch, bei M 100 und M 125 jedoch abweichend.
Es taucht schon mal eine MB250 (300001 - 310999) von 1954 - 57 auf, die mit einem M250 Motor (200001 - 209999) von 1952 - 54, oder eine MB150 Rahmen (160001 - 160999) mit einem M250 Motor (200001 - 209999) ausgerüstet ist.
Wenn der Anbieter diese gravierenden Abweichungen nicht im Angebot deklariert und das Fahrzeug als echte Originale  M oder MB Maschine anbietet, grenzt das an Vortäuschung falscher Tatsachen.
Auch Anbieter können sich durch die ADLER Seiten vorher informieren. Ein "wusste ich nicht", oder "verkaufe ich für einen Freund" kann nicht akzeptiert werden. Meistens werden diese Informationen aus einem einfachen Grund unterschlagen, denn die "gefrickelte" Maschine hat einen wesentlich geringeren Marktwert. Auf diese Weise läßt  sich der höchst mögliche Preis zum Nachteil eines unbedarften Käufers erzielen.

Die Kühlrippenanordnung ist bei M und MB Modellen unterschiedlich. Wenn die Bilder einen Blick auf die Zylinder nicht zulassen, Detailfotos anfordern. M Modelle habe von oben nach unten versetzte Kühlrippenschlitze. MB 150 M Teilung, MB 201 Einzylinder MB Teilung.
Die M Zylinder sind etwas dünnwandiger und thermisch nicht so belastbar wie die MB Zylinder.
Bei manchen M Motoren wird der rechte Zylinder heißer als der linke. Um den thermischen Problemen des rechten Zylinders entgegen zu wirken, gibt es eine Modifikationsanleitung. MB Modelle 2 senkrecht verlaufende Kühlrippenschlitze auf jeder Seite. Die MB Zylinderlaufbuchsen zeigen eine minimal stärkere Wandung. Es gibt gefrickelte Motoren. MB250 mit M Zylindern (nicht so gut) oder M250 mit MB Zylindern (gut).
Es wurden auch schon Motoren mit je einem M und MB Zylinder angeboten. Natürlich kann man nicht in den Motor schauen und muss sich auf die Aussage des Verkäufers verlassen.
Es tauchen Motoren (Motor dreht!) auf, deren Getriebe durch z.B. einer gebrochene Schaltgabelfeder nicht schaltet oder am Zylinder unten ein Stück vom Steg abgebrochen ist.
Ob die Kolben (MAHLE /NÜRAL - Kolben 0 Maß ist 53,96 bei 250 ccm und 49 bei 200 ccm) irgendwann heftig geklemmt haben, erkennt man auch erst nach dem Zerlegen. Dieses Risiko besteht immer.

Bei den M und MB Modellen gibt es auch Unterschiede in der Getriebeausführung. Bei den M Modellen sind die Getriebezahnräder 15 mm und bei den MB Modellen 17 mm breit. Es wurden auch spitz - und stumpfverzahnte Zahnräder verwendet. Alle Getriebeausführungen passen ab 1953 dennoch in beide Gehäuse, und arbeiten zuverlässig.

Die Kurbelwelle und Kupplung gab es auch in zwei verschiedenen Ausführungen. Die Welle zur Aufnahme der Kupplung gibt es konisch oder verzahnt.  Beide Kurbelwellen sind in den M 200/250und MB 200/250  Modellen verwendbar. Beim Kauf einer Ersatzkupplung auf Konus oder Verzahnung achten.

Vergaser: M 100 - 1/17/8 -  M125 BING 1/20/39 - M150 AMAL 22E1B - M200 AMAL 19E1L - M2011 - BING 1/22/106 - M250 AMAL 22E1B - MB150 BING 1/22/73 -  MB200 AMAL 19E1L - MB 201 BING 1/22/106 - MB 250 BING 1/22/72 - MB250S BING 1/22/74 - MBS250 Favorit BING 2/22/28 - MBS250 Sprinter BING 2/22/29. Drei unterschiedliche Vergaserabdeckungen für 19-er und 22-er der M / MB Reihe  (Art. Nr. 0602133, 04 2133), MB 201 und M2011. (Art. Nr. 08 2133).

Antriebskette: M kleine Teilung - hinteres Ritzel 36 Zähne, MB große Teilung - hinteres Ritzel 30 Zähne. Kleine Teilung 1/2 x 5/16'' 93 Glieder M + MB 150 / M + MB 200 /MB 201 / M2011. Große Teilung 5/8 x 1/4'' 76 Glieder ohne Beiwagen MB 250 5/8 x 1/4'' 75 Glieder mit Beiwagen MB 250.

Fussrasten: Es gibt unterschiedliche Fußrastenformen für M und MB. Die M Fussrasten sind schräg abgewinkelt, passen beidseitig, und die MB Fussrasten winklig schräg links und rechts mit Spannschraube.

Chromteile: Darauf achten das eigentliche Chromteile nicht einfach mit Ofenrohrsilber übermalt worden sind. MB Gabelkopfkappe, Innenfeld lackiert. Für das M Modell gabe es auch einen Chromtank.

Schutzbleche: Die M und MB Schutzbleche sind unterschiedlich. Das M Schutzblech vorne ist nicht für die MB konzipiert, das MB Schutzblech vorne hat ein Schraubloch mit Verstärkungsplatte für den Halter und eine Bowdenzugdurchführung. Die Strebenlängen sind auch unterschiedlich. Die hinteren Mittel - und Endstücke sind sehr ähnlich, unterscheiden sich in den Bohrungen für die M Gepäckbrücke und den MB Soziussitz, und die Breite des "Schwalbenschwanzes" ist abweichend. Bilder: M-Schutzblech vorne, M-Schutzblech hinten, MB-Schutzblech vorne, MB-Schutzblech hinten

Für die Schwingenmodelle Favorit und Sprinter gibt es so gut wie keine original Blechteile, die sich auch wiederum von den MB Blechteilen unterscheiden. Bilder: Sprinter-Schutzblech vorne, Sprinter Schutzblech hinten.

Ob eine original Eberspächer oder Boysen (äusserst selten) Auspuffanlage montiert ist, kann man meistens auf den Bildern nicht erkennen. In vielen Fällen sind minderwertige "Holland Tüten" ohne die ADLER spezifische Verschraubung als Auspuffanlage montiert, die nicht den nötigen Durchströmwiderstand für gute Fahrleistung bringen. Bei den kleineren Modellen wurden 1952 55 mm Fischschwanz, später 65 mm  Zigarrenform,  und bei den großen Modellen 80 mm Auspuffrohre von Eberspächer verbaut. Zulässig auch 80 mm ersatzweise bei M150 - M 250 zu verwenden. Die original Eberspächer 80 mm Rohre waren auch mit einer verchromten Sicherungsklemme für die Pfeife ausgestattet. Soweit wir wissen, fehlt diese beim Nachbau, und die Pfeife wird durch eine Schraube gesichert. Das gibt es leider auch: Nachbau Pfeife zu kurz und auch noch falsch gequescht.

Die verwendeten Werksfarben Metallic blau nur M 200, MB 200, MB 250 Favorit und MB 280 (M 2011 immer schwarz) Metallic grün nur M 150, M 250 und MB 150, MB 250, MB 250 Sprinter, (MB 201 immer schwarz). Grundfarbe schwarz  - alle Modelle Anbauteile in Fahrzeugfarbe schwarz, grün oder blau. Bei allen Modellen sind auch die Chromfelgen in schwarz, dunkelgrün oder  blau liniert gewesen. Bei der M 2011 gab es auch schwarz lackierte Felgen in gold liniert. Die Linierung war grundsätzlich als Abschluss mit der Hand aufgebracht und niemals unter Klarlack versiegelt.
PVC Linien unter Klarlack werden häufig bei Restaurationen aufgebracht und sind nicht im Sinne einer werksgetreuen Restauration.

Alle Modelle waren mit dem "Eber" Rücklicht (lackiert oder verchromt) versehen, die Modelle Favorit und Sprinter mit "HELLA "Schwanenhals", der Alu Kickschaltwippe, AMAL (M Modelle) oder Bing (M und MB Modelle) Vergaser ausgestattet.

Alle VDO Tachos tragen das ADLER Emblem und die Wegdrehzahl 0.88 Solo, 0.9 Sprinter und 1.0 Gespannbetrieb auf der Tachoscheibe. Für die M/MB 150, M/MB 200 Modelle bis 120 km/h ohne Kontrollleuchten, M 250 mit Kontrollleuchten. MB 250 bis 140 Km/h mit Kontrollleuchten. Sollte jemand einen 140 km/h Tacho mit "Rückwärtszähler" auffinden, dann hat er ein absolut seltenes "Schätzchen" aufgetan. Diese Tachos wurden an der MBS und den Sixdays verbaut.
Wer einen Tacho überholen und justieren lassen möchte, sollte folgendes tun. Tachowelle oben ausbauen, nach aussen legen und an der Welle ein Fähnchen anbringen. Eine Strecke von 10 m abmessen, eine Markierung auf das Vorderrad anbringen, das Motorrad schieben und die Umdrehungen des Fähnchens zählen. So ermittelt man die echte Wegdrehzahl. Z.B. M250 Gespann mit Ritzel 13 zu 36, Wegdrehzahl 11 1/4 Umdrehungen = W 1,125.

Gerne werden auch MB250 S (16 PS) Modelle mit hochgezogenen Auspuffrohren angeboten. Das  M250 S Modell mit gekürzten Blechen gab es werksmäßig. Die Standardmaschinen konnten aber auch über das ADLER Zubehör Angebot optisch umgerüstet werden. ADLER Zubehör Preislisten von 1953 z.B. Umbau von Lenker und Gasgriff. Man hat auch kurzer Hand wegen der MB250 S Optik die Bleche einfach "abgesägt", dann fehlende Bördelung.

Eine echte  MB250 S mit 18 PS Motor besaß modifizierte Schutzbleche. Das vordere Schutzblech ist werksmäßig "gekürzt" und das hintere Schutzblech hat auf der linken Seite ein  aufgeschweißtes Metallrohr  für die Kabel.

Ob es sich um einem 18 PS Motor handelt, kann man nur durch nachmessen des Auslasskanals im Zylinder feststellen. Ausserdem wurden nur 2 - Ring Kolben verwendet.

Fahrgestell- und Motornummern der MB250 S (18 PS), MBS Sprinter (18,5 PS), Sixdays (20 PS) und Cross (20 PS) im Bereich von 500001 - 500999. Favorit (16 PS) im Bereich von 300001 - 310999

Kabelbaum und Bowdenzüge, Gaszug, Bremszug , Kupplungszug und Tachowelle waren im Original immer silberfarben, nie schwarz. Und es wurde nur der BOSCH Abblendschalter verbaut.

Oft müssen die ursprünglich verchromten M6 Schlitzschrauben  für die Schutzblech, Kettenkastenbefestigung und Gepäckträger ausgetauscht werden. DIN 85 Schrauben mit dieser speziellen Kopfform gibt es schon lange nicht mehr. Es können abgerundete (ähnliche) Schlitzschrauben verwendet werden, aber niemals Kreuzschlitzschrauben. Die M8 Linsenschrauben wurden für die Verbindung des Stützbleches mit dem hinteren Schutzblech-Mittelstück verwendet. Es ist auch darauf zu achten, ob die 4 Stk. M7 Knebelschrauben der Schutzblechhalterung und alle Rändelmuttern (4 Stk. MB /5 Stk. M) vorhanden sind. Die Motorseitendeckelverschraubung sollte im Handel erhältliche M8 Schlitzschrauben besitzen und keine Inbusschrauben. Die Inbusschrauben haben Privatleute bei den umgebauten RS Motoren verwendet.

Die Tankdeckel und Hupendeckel sahen so aus.

Außenliegende Zündspulen wurden aus thermischen Gründen unter dem Sitz verbaut (zulässiger Umbau).

Ab uns zu fehlt das Lenkschloss im M-Rahmen und im MB Lenkkopf.

Die HIRAFE könnte durch nicht mehr funktionierende hydraulische Teleskopstossdämpfer in der Abfederung beeinträchtigt sein. Wenn der Antrieb beim Anfahren "schlägt", könnte die Gummidämpfung in den Silentblockhülsen beschädigt oder gar nicht mehr vorhanden sein.

Die meisten wichtigen Merkmale sind auch in den Betriebsanleitungen und Ersatzteillisten abgedruckt. Aus der Ersatzeilliste läßt sich auch heraus lesen, welche indentischen Teile bei M und MB passen. Es bietet sich immer an, vor dem Kauf die ADLER Fotogalerie anzuschauen.
Es wurde nun mal viel "gefrickelt" und umgebaut. Wenn es heißt, "Der Motor wurde von einem Speziallisten überholt." (ohne ADLER  Spezialwerkzeug  kann man einen Motor nicht zerlegen), dann sollten auch Rechnungen oder Arbeitsnachweise mit der Auflistung der verwendeten/ersetzten Teile dafür vorliegen. Eine wirklich professionelle Motorüberholung/Instandsetzung kann zwischen EUR 1.000 und EUR 2.000 kosten. Das beinhaltet z.B. Glasperlenstrahlen des Motorblocks, Ersetzen sämtlicher Kugel- und Rollenlager, Simmerringe und Dichtungen. Überholen der Kurbelwelle und Umrüstung auf Nadellager mit neuen Pleuel, Hohnen der Zylinder und neue geschmiedete Kolben deutscher Fertigung (wir reden hier nicht von italienischen, Yamaha oder umgearbeiteten Suzuki Kolben), zzgl. Arbeitszeit und Frachtkosten.

Der MB Gabel muss man auch Beachtung schenken, ob Leckagen vorhanden sind. Sie könnte defekt sein, und eine professionelle Überholung kostet auch etwas. Das gleiche gilt für die M Gabel. Es könnten die Gewindegänge der beiden Stellmuttern nicht mehr greifen, die Reibscheiben könnten zerstört und die Wickelfedern könnten gebrochen sein. ADLERWERKE Rundschreiben zur M Gabel

Zusatzstoßdämpfer für die M Gabel gab es werksmäßig und im Zubehör.


 

Eine fahrtüchtige ALDER sollte immer vor Ort besichtigt, und wenn möglich, eine Probefahrt durchgeführt werden. Je mehr Originalteile erhalten bleiben oder durch gute werksgetreue Nachfertigungen ersetzt worden sind, umso besser.
Zur Wertminderung tragen auch nachgefertigte GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) GFK-M Schutzblech vorneGFK-Kettenkasten, GFK-Endstück hinten,  GFK-Werkzeugkasten, GFK-Batteriekasten und "abgesägte" Schutzbleche bei.
Falls dann jemand beabsichtigt, aus versicherungstechnischen Gründen ein Oldtimer Wertgutachten erstellen zu lassen, wird er schnell merken, wieviel Wertminderung festgestellt wird, wenn falsche oder GFK Teile montiert sind.

Wir hoffen mit diesen Informationen mitzuhelfen, den Kauf einer "Gurke" zu einem "Mondpreis" abwenden zu können. Denn ab und zu werden Maschinen als "Top restauriert" angeboten, die aus verschiedenen Modellteilen zusammen geschraubt und mit billigen Nachbauteilen ausgerüstet wurden. Letztlich muss das Preis - Leistungsverhältnis stimmen. Zu oft werden wir als ADLER Club erst kontaktiert, wenn "das Kind in den Brunnen gefallen ist". Schmerzlich für jeden Geldbeutel, wenn nach dem Kauf noch einmal richtig Kosten entstehen. Besonders dann, wenn man sich auf einen Privatverkauf ohne Rücknahme eingelassen hat. Nicht überstürzt kaufen und vor dem Kauf Fachleute mitnehmen!